Wusstet Ihr, dass Panasonic, Gigaset Elements, die Deutsche Telekom und AVM in ihrer Systemdatenbank DECT-ULE Komponenten haben und diese für die Kommunikation ihrer Smart Home-Geräte nutzen? Ich bisher nicht, so dass ich mich im privaten Umfeld dieser Thematik gewidmet habe und Euch darüber berichten möchte.

Was ist DECT-ULE?

ULE-LogoZunächst soll es vorrangig um die Erklärung des „ULE“ im Zusammenhang mit „DECT“ gehen. Das ULE steht als Zusatz für „Ultra Low Energy“ und ist auf einen geringen Energieverbrauch getrimmt. Hier gibt es aus meiner Sicht erste Parallelen zu EnOcean, die ebenfalls bestrebt sind, dass Sensoren und Aktoren wenig Energie verbrauchen und häufiges Wechseln von Batterien entfällt oder gar ganz auf Batterien verzichtet werden kann.

Wem der Begriff DECT bisher eher unbekannt ist, der sollte wissen, dass es ein etablierter und verbreiteter Standard ist. Eingesetzt in vielen Haushalten für drahtlose Telefone, z.B. Siemens Gigaset. DECT ULE ist ein Ableger von DECT und hat dessen positive Eigenschaften geerbt: Einen eigenen Frequenzbereich zwischen 1.880 bis 1.900 MHz, der in der Regel einen störungsfreien Betrieb erlaubt, durch verschlüsselte Übertragung eine umfassende Absicherung gegen Angreifer bietet und weit verbreitet ist.

DECT-ULE ungleich DECT-ULE HAN-FAN

Anfänglich habe ich gedacht, dass ein Aktor/Sensor, der DECT-ULE unterstützt, mit jedem anderen DECT-ULE Sensor/Aktor oder einer Basisstation, die DECT-ULE unterstützt, ausreicht. Aber ich irrte mich!

So ist nicht jeder DECT-ULE Sensor oder Aktor mit AVM kompatibel. Erst mit dem Zusatz von „HAN-FAN“ an DECT-ULE ist eine Kommunikation mit der FRITZ!Box gewährleistet. Häufig gibt es aber beim Funktionsumfang bei nicht AVM-Geräten Einschränkungen. So können unter Umständen keine Push-Nachrichten versendet werden. Grundsätzlich ist DECT-ULE/HAN-FUN ein Hersteller übergreifender Standard für Smart Home-Geräte.

SmartHome Tür-/Fensterkontakt Telekom Magenta optisch AVM-FRITZBox
Offiziell unterstützt: SmartHome Tür-/Fensterkontakt optisch von Magenta SmartHome, Telekom

Was ist DECT-ULE/HAN-FUN?

HAN-FUN ist ein Aufsatz/Zusatz zum DECT-ULE Protokoll und wird von der ULE Alliance vorangetrieben. HAN FUN steht für „Home Area Network FUNctional protocol“.

DECT-ULE/HAN-FUN mit AVM und Telekom Smart Home-Komponenten

Basis ist die AVM FRITZ!Box vom Typ 6490 Cable mit dem neusten FRITZ!OS 7. Nach eigenen Recherchen konnte mir weder der Telekom-Chat noch der AVM-Support auf die Kompatibilität unter den beiden Herstellern eine zufriedenstellende Nachricht/Antwort senden. Beide Hersteller berufen sich auf „Ihre“ Lösung und eine fehlerfreie Kommunikation nur auf „Ihre“ Smart Home-Komponenten.

Bei AVM fand ich nach weiteren Recherchen eine Funktionsfreigabe für Magenta Smart Home-Komponenten der Telekom. Den Hinweis hatte mir der AVM-Support leider nicht gegeben, Schade!

Funktionsfreigabe Magenta Smart Home an AVM FRITZ!Box:

Besuch im Telekom-Shop

Während der Recherche im Netz besuchte ich einen Telekom-Shop in meiner Nähe. Dort sagte man mir euphorisch, dass die Magenta Komponenten natürlich an AVM-Boxen funktionieren, sei ja schließlich das gleiche Protokoll. Im ersten Moment glaubte ich der Aussage auch fast. Doch der gut aufbereitete Flyer der Telekom gab mir Anlass, genauer zu schauen, denn überall steht nur „DECT-ULE“ beim Protokoll. Der Zusatz „HAN-FUN“ fehlt. Dennoch gibt der Flyer einen guten Überblick der Produkte und half mir, besser abzuwägen, welche Komponenten ich nun für das Projekt benötige.

Das Ergebnis zu DECT-ULE/HAN-FUN

Letztendlich lässt sich heute sagen, dass wirklich nur die drei von AVM freigegebenen Magenta-Smart Home-Komponenten korrekt funktionieren. Der Rauchmelder der Telekom wurde zwar erkannt, allerdings in der Funktion eingeschränkt und damit nicht wirklich nutzbar.

FRITZ!DECT 301 – Es werde warm!

In der aktuellen Erprobung seit gut zwei Wochen sind zwei FRITZ!DECT 301 Heizkörperthermostate in einem Raum montiert wurden. Das neue E-Paper-Display, welches Ihr auch von eBook-Readern kennt, sorgt für wenig Batterieverbrauch. In 90-Grad-Schritten dreht sich das Display und ermöglicht so ein Ablesen in jeder Montageposition des Heizungsreglers. Die Installation erfolgt an einem Danfoss Heizkörper mit dem mitgelieferten Adapter. Das Aufsetzen und Montieren des Reglers an der Heizung ist dank der Überwurfmutter aus Metall kein Problem und wirkt in Summe hochwertig.

Das Anlernen an der FRITZ!Box klappt in nur wenigen Schritten. In der Smart Home-Oberfläche lassen sich dann alle Komponenten übersichtlich sortieren, konfigurieren und in Gruppen anlegen.

Gemessen wird die Temperatur am Thermostat und über eine einstellbare Temperaturabweichung (Offset). Das Offset stellt die tatsächliche Raumtemperatur ein. Optional kann auch eine Schaltsteckdose (FRITZ!DECT 200) als externer Temperatursensor hinterlegt werden.

Toller Effekt! Den zweiten Heizkörperregler habe ich Tage später installiert und dann eine Gruppe aus beiden Reglern generiert. Die Heizprofile wurden automatisch der Gruppe vererbt, so war eine erneute Konfiguration des zweiten Reglers nicht notwendig. Ein individuelles Heizprofil lässt sich nach einer Gruppenbildung der DECT Heizkörperthermostate nicht mehr pro Regler hinterlegen. Die individuelle Offset-Temperatureinstellung ist weiterhin möglich.

FRITZ!Box 6490 Oberfläche Smart Home
Smart Home Übersicht auf FRITZ!Box mit Gruppen

Kleines Fazit: Die Heizkörpersteuerung mit den AVM-Produkten hat sehr gut funktioniert – von der Montage über das Anlernen bis hin zur Konfiguration der Heizprofile. Meine Fragen, die gerade bei der Konfiguration der zwei Heizkörperthermostate aufgekommen waren, wurden nahezu zeitgleich beim Klicken in der FRITZ!Box-Oberfläche beantwortet.

AVM FRITZ!DECT 301 Montiert an Danfoss Heizkoerper
Fertig installierter FRITZ!DECT 301 mit gedrehten Display

Erweiterung mit Magenta SmartHome Tür-/Fensterkontakt optisch

Im Netz gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie kompatibel der Magenta Tür-/Fensterkontakt ist. Jetzt kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen, dass der optische Fensterkontakt aktuell nur mit einer AVM-Schaltsteckdose kommuniziert. AVM-Heizkörperthermostate werden nicht unterstützt.

Trotz offizieller Unterstützung werden in der FRITZ!-Oberfläche keine Schaltzustände des Tür-/Fensterkontakts der Telekom, welcher auf DECT-ULE/HAN-FUN basiert, angezeigt. In der MyFRITZ!-App wird der Sensor ganz ausgeblendet und taucht überhaupt nicht auf. Hier hätte ich schon mehr erwartet. Bleibt zu hoffen, dass AVM in einer der nächsten Updates den Funktionsumfang und die Features nachzieht.

AVM Magenta SmartHome Tür-/Fensterkontakt eingebunden
FRITZ!-Oberfläche mit eingebundenem Magenta SmartHome Tür-/Fensterkontakt

Update:
Bekannt wurde am 16./17. Dezember 2018, dass AVM jetzt auch einen eigenen Taster – FRITZ!DECT 400 -im Sortiment hat.Damit wird scheinbar der kompatible Telekom Taster überflüssig. Der AVM Taster, welcher auch auf den DECT-ULE / HAN-FUN Protokoll funkt, ist mit einer kleinen Batterie ausgestattet und soll mindestens 1 Jahr ohne Batteriewechsel auskommen. Super wäre auch gewesen, wenn AVM eines Variante in Form eine WLAN-Einbautasters/-schalters herausgebracht hätte.

AVM FRITZ!DECT 400
Quelle: avm.de (Screenshot)
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Christian

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9 Comments

  • Jay

    Hallo Christian,
    viele gute Tipps auf Deiner Seite. Hast Du schon etwas läuten hören, ob auch Unterputz Aktoren geplant sind, die zu AVM passen? Oder vielleicht gibt es ja kompatible, basierend auf HAN-FUN? Bisher hab ich noch nichts entdecken können.
    Jay

    • Christian

      Hi Jay,
      ich weiß, dass im Zusammenhang der Veröffentlichung zum DECT 400 mehrere Anwender den Wunsch geäußert haben, ob es zukünftig auch Unterputzaktoren von AVM geben wird.
      Laut AVM ist aktuell keine wirkliche Aussage dazu getroffen. Die Berliner halten es sich offen, ob hier was passieren wird. Demnach gibt es auch keine offizielle Zeitschiene dazu, leider.
      Gruß Christian

  • Netzwanze

    Ich habe die Erfahrung mache müssen, dass der Temperatursensor in den AVM-Steckdosen „Mist“ ist.
    Steckdose ist abgeschalter und meldet eine Temperatur von -2,0°C. Ich schalte die Steckdose ein und nach kurzer Zeit steht die Temperatur auf +1,5°C. Ein direkte neben der Steckdose aufgesteller Temperatursensor meldet die ganze Zeit über -1,8°C. Da heizt doch irgendwas in der Steckdose den Sensor auf.
    Ich meine aber auch irgendwo gelesen zu haben, dass der Steckdosensensor nur von 0-xxx°C messen kann. Das stimmt zwar nicht direkt. Jedoch scheint er nur für positive Temperaturen geeignet zu sein.

    • Christian

      Laut AVM ist der DECT200 für Temperaturen zwischen 0°C bis 40°C ausgelegt, sprich für „drinnen“. Mit anderen Worten, kann das schon sein, dass dieses Verhalten passieren kann. Für den Fall wäre vermutlich der DECT 210 besser, dieser ist von -20°C bis +40°C ausgelegt und eher für „draußen“ geeignet. Gruß Christian

  • Marc

    Hallo Christian,
    ich bin auch gerade am AVM Smarthome testen und vermisse auch einen eigenständigen Temperatursensor, den man auch ohne Steckdose im Raum platzieren kann.
    Zum Thema Funk Wandtaster, ich hatte mir kurz vor Veröffentlichung von AVM, schon den von der Telekom gekauft. Wenn ich das richtig quergelesen habe, dann gibt es aber einen entscheidenden Unterschied, der beiden Geräte. Der Telekomschalter hat zwei Taster verbaut (oben/unten) und somit lassen sich zwei Schaltsteckdosen von AVM getrennt bedienen. Daher habe ich mir den von AVM noch nicht gekauft. Hast Du da schon Erfahrung gesammelt?

    Gruß

    • Christian

      Hallo Marc,
      Erfahrungen mit den Tastern habe ich noch nicht gemacht. Ich war nach der Einbindung des Telekom Fenstersensors etwas abgeschreckt. Spannend der Hinweis mit den 2 Tasten im Telekomschalter – hatte ich so noch gar nicht bedacht, bin aber Deiner Meinung, dass das ein entscheidender Unterschied ist. Wie sieht das auf der FRITZ!Box bei Dir aus? Hast du einen Screen? Der FRITZ!DECT 400 kann laut Datenblatt Einzel- und Gruppenschaltung. Ob er aber auch bei 2x drücken etwas anderes machen kann ist noch unbekannt – vermute aber nicht.

  • Charles

    Hallo, vielen Dank für die umfangreichen Informationen rings um das Thema smart home mit AVM…

    Ich bin auf der Suche nach einem Temperaturfühler der mit der Fritz!Dect301 kompatibel ist. Die Lösung, als externen Temperaturfühler die FRITZ!DECT 200 zu nutzen, finde ich eher nicht praktikabel, da eine solche Steckdose optisch wenig hermacht. Gibt es solche Lösungen bereits oder hat AVM vor, einen solchen optisch ansprechenden, externen Temperaturfühler zu entwickeln?

    Vielen Dank im Voraus und einen guten Start in das neue Jahr…

    • Christian

      Hallo Charles! Schön, wenn Dir meine Zeilen geholfen haben.
      Deine Frage bzgl. eines externen Temperatursensors, der mit dem FRITZ!DECT301 zusammenarbeitet, hat mich auch beschäftigt – schon beim Schreiben des Beitrags. Leider konnte ich weder bei AVM (Anfrage gestellt) noch in anderen Blogs etc. eine Antwort finden. Nach meinem Kenntnissstand, gibt es keine Möglichkeit – außer dem FRITZ!DECT200 (die Schaltsteckdose) – einen externen Temp.Sensor einzubinden.
      Bei der Optik gebe ich Dir Recht. Die FRITZ!DECT200 ist halt eher durch ihre Größe für Steckdose im Fußbodenbereich gedacht/praktikabel. Selbst, wenn man diese als ext. Temp.Sensor nutzt, wird sie die Temperatur in Fußbodennähe erfassen – sprich, eine Raumtemperatur ließe sich sicher besser regeln als nur über die FRITZ!DECT301 aber ein gewisses Offset wäre sicher auch notwendig.

      Schlau wäre, AVM steuert hier mit einer passenden Lösung entgegen. Genauso, dass der vermeintlich kompatible Fenstersensor von der Telekom mit dem FRITZ!DECT301 zusammenarbeiten müsste… Wünsche der Anwender von AVM-Produkten werden in der Regel spärlich und in einem großen Zeitfenster umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Wünsche in 2019 anklang finden…
      In diesem Sinne, Dir ein erfolgreiches smart vernetztes 2019. Gruß Christian

  • Sehr informativ, danke für die Erklärungen. Leider haben die Hersteller aus dem SmartHome-Bereich noch immer nicht kapiert, dass das Thema nur dann erfolgreich wird, wenn es einheitliche Standards gibt. So ist das Thema tatsächlich nur für Leute interessant, die sich intensiv damit beschäftigen wollen / können. Vermutlich wird hier noch einige Zeit vergehen, bis hier ein Durchbruch kommt.

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