Die Chemnitzer werden ihn kennen, den Kulturpalast Rabenstein. Jener, welcher mehrere Namen trägt und verschiedene Funktionen seit Errichtung im Jahre 1950/51 besaß, führt einen längst eingeläutetes Schattendasein.

Das monumentale Gebäude am Nordufer des Pelzmühlenteiches hört auch auf die Namen Kulturpalast Chemnitz, Fernsehstudio Karl-Marx-Stadt oder MDR Fernstehstudio Chemnitz. Eine ausführliche Historie zum Bauwerk wird an anderer Stelle besser beschrieben und soll nicht die heutige Geschichte sein. Vielmehr möchte ich den Lesern eine Momentaufnahme vorführen.

Die (letzte) Belebung des Kulturpalastes Rabenstein im August 2017

Kulturpalast Rabenstein Begehungen14
Rabenstein: Begehungen NO 14

Das Kunst- und Kulturfestival „Begehungen“ fand vom 17. – 20. August 2017 im Kulturpalast Rabenstein statt. Zur Begehung NO 14. hat eine Jury insgesamt 26 KünstlerInnen, aus unterschiedlichen Ländern der ganzen Welt, ausgewählt und sie nach Chemnitz eingeladen. Durch ihre Kreativität entstand in dem verwahrlosten Gebäude, welches seit 1999 verfällt, aktuelle Kunst mit verschiedenen Stilrichtungen.

Eindrücke aus dem MDR Kulturpalast

Die Geschichte vom 19. August 2017, dem vorletzten Tag der Begehungen N0 14. Im Rahmen einer Social Media Veranstaltung hatten der Social Media-Manager Falk und der Gestalter Mark gemeinsam mit Frank, einen Mitorganisator des Kunst- und Kulturfestivals, geladen. Das Thema: Workshop – Digitales Geschichten erzählen.

Es geht los, es ist 14 Uhr!
Wir Gleichgesinnte trafen uns 14 Uhr vor dem Haupteigang des alten Kulturpalastes Rabenstein. Die Sonne schien, aber die Temperaturen waren für den August eher unterdurchschnittlich. Dennoch waren einige der Besucher, denn wir waren nicht allein, mit kurzen Hosen unterwegs. Wir betraten das Gebäude und schon beim ersten Atemzug roch man feuchte, abgestandene, kühle Luft, wie man sie aus verlassenen Gebäuden kennt. Im ehemaligen Empfangsbereich des Kulturpalastes war eine größere Menschengruppe um einen improvisierten Infoschalter und Souvenirtisch versammelt. Auf diesem stand eine Spendenbox, welche wohl einen so historischen Wert -begründet durch ihr Aussehen – hat, dass sie das Gebäude fast unter den Armen der Besuchern verlassen hätte, wie uns Frank mit einem Lächeln schilderte. Unglaublich.

Wir gingen weiter zum „Café“ – einem im hinteren Teil des Gebäudes gelegenen Bereiches, den es in der Realität nie gab. Ein Scheinort, wo sonst die Requisiten lagerten. Auf dem Weg dahin, liefen wir bereits durch die Ausstellung. Besucher kamen uns entgegen. Ich hatte Not, nicht die Orientierung in den verwinkelten Gängen zu verlieren. Dort angekommen erzählten uns Falk und Mark ein paar Grundlagen zum „Geschichtenerzählen“ – auch Story Telling genannt. Wie ich erfahren habe, eine kleine Disziplin im Bereich Online Marketing.

Kulturpalast Rabenstein Social-Media-Gruppe

Von außen musste unsere Gruppe ziemlich für Aufsehen gesorgt haben. Der Stuhlkreis aus unterschiedlichen Stühlen und Sesseln verbunden mit unseren Kurzvorstellungen, kam einer Selbsthilfegruppe ziemlich nah. Aber das war uns egal. Mit wertvollen Tipps brachen wir zur Entdeckungstour auf.

Entdeckungstour im Kulturpalast Rabenstein

Wir gingen wieder zum Eingang zurück und kamen zum zentralen Treppenaufgang – links und rechts erstreckten sich breite Treppen in das Obergeschoß. Ein großer hoher Raum mit einer Empore eröffnete sich. Besucher schauten von oben herunter. Erste kreative Beleuchtungslösungen erweckten meine Aufmerksamkeit.

Kulturpalast Rabenstein Treppenaufgang

Mir ging es nicht allein so, denn unsere 15 köpfige Gruppe schaute ebenso fasziniert. Wir betraten verschiedene Räume und folgten schließlich, jeder individuell, der weißen Linie am Fußboden. Diese, wie uns Frank erklärte, führte uns einmal komplett durch das Gebäude. In einem Nebenraum hatte die Künstlerin Mandy Knospe Roboter ausgelegt, die aussahen wie Teller und den Boden reinigten. Ein Querverweis zu Smart Home war gelegt. Eine weitere Vernetzung gab es in Form der unterstützenden Personen. Für Besucher, die körperlich Beeinträchtigt waren und nicht selbst durch das Gebäude laufen konnten, gab es verkabelte Laufburschen die via Kamera Live-Bilder auf einen Monitor übertrugen. Ebenso, eher unscheinbar, wurde das längst in Sachen Brandschutz veraltete Gebäude mit Rauchmeldern ausgestattet, die in den Räumen mit Gemälden von der Decke hingen. Ich glaube aber, dass diese nicht untereinander vernetzt waren…

Gemeinsam mit Dana, ließ ich die Kunst auf mich wirken. Damals war der Kulturpalast mit der neuesten Elektronik ausgestattet. Und das sollte durch die spätere Nutzung als Aufzeichnungskulisse für das Fernsehen der DDR und dem später wie neugegründeten MDR bis 1999 auch so bleiben. Heute sind nur noch Rückstände der einst modernen Technik zu sehen. Beeindruckend war die Blick von der Beleuchterbrücke auf das Aufnahmestudio.

Kulturpalast Rabenstein Studio MDR
Kulturpalast Rabenstein: Blick von der Beleuchterbrücke ins alte MDR Studio

Bevor es aber zum Fernsehstudio wurde, beherbergte der Kulturpalast Rabenstein einen Theatersaal mit ca. 950 Plätzen. Ein zweiter, großer Saal für Tanzveranstaltungen (der Rosettensaal) befand sich über dem großen Foyer. Neben dem Rosettensaal lag rechts das Café und links das Restaurant des Palastes. Eine Bar war auf der Empore des Rosettensaales untergebracht. Im Erdgeschoss gab es die Garderoben sowie ein Billard- und Kinderspielzimmer, in dem auch eine Bibliothek vorhanden war.

Kulturpalast Rabenstein Treppenhaus
Das Treppenhaus im Kulturpalast

Der Blick von der Beleuchterbrücke war – neben den vielen Gängen, Räumen und Ausstellungsobjekten ein Höhepunkt.
Ein belebender Augenblick, war die Begegnung zwei alter Damen in einem der Treppenhäuser, wo die Farbe von den Wänden abbröckelte. Beide machten den Eindruck sich Jahrzehnte nicht gesehen zu haben. In ihren Augen konnte ich die Freude sehen und das Kullern von Freudentränen.

In einem anderen Gespräch war mitzubekommen, dass der Kulturpalast in Chemnitz früher auch seitens der Jugend zum Fortgehen genutzt wurde. Neben tollen Abenden, trafen sich so auch Menschen, die in dem Gebäude ihre große Liebe, trafen oder auch Freunde kennenlernten. Ich vermute, dass bei den zwei älteren Damen einer dieser Schicksalsvarianten zutraf.

Nach gut zwei Stunden kamen wir wieder zusammen und tauschten uns über das Erlebte aus. Jeder hatte auf seine Art die Ausstellung erlaufen und Eindrücke aufgenommen.

An dieser Stelle endete der Workshop, nicht aber die Geschichte.

Die Rückkehr der Samstagabend-Show
Abends begab ich mich erneut in den Kulturpalast Rabenstein, diesmal allein. Im Abendprogramm der Begehungen 2017 wurde der Kulturpalast kurzweilig zum Fernsehstudio Karl-Marx-Stadt, mit Shows wie „Schätzen Sie mal“ oder „Herzblatt“. Die 500 Teilnehmer, wie die örtliche Presse berichtet, erlebten ein unterhaltsames Programm. Doch erlebt es selbst…

Als kleines Highlight, habe auch ich in diesen Abendstunden noch einen Menschen wiedergetroffen, den ich viele Jahre nicht gesehen hatte. Kunst und Kultur verbinden halt doch und da macht es keinen Unterschied, wie alt wir sind oder das Gebäude bzw. der Ort.

Ob ich mich jetzt an die Regeln des Story Telling gehalten habe?
Modernes Geschichtenerzählen ist nicht einfach. Auch die erste Idee, wie ich die Geschichte schreibe, ist es nicht geworden. Aber es ist eine Geschichte.

Eine, von einem Tag, an einem Ort, der bald nur noch in Erinnerung existieren wird – der ehemalige Kulturpalast Rabenstein.

Kulurpalast Rabenstein Tag und Nacht

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Christian

Ich bin im Online Marketing tätig und blogge in meiner Freizeit über Smart Home und das vernetzte zu Hause.
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